Inside Interim Management: warum man das Dach reparieren sollte, wenn die Sonne scheint
– Meine Meinung – kein Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit –
Viele Unternehmen reagieren erst dann, wenn das Haus brennt. Sie warten, bis Umsätze einbrechen, Kunden abspringen oder die Konkurrenz sie überholt. Erst dann wird hektisch nach Lösungen gesucht. Interim Manager, Restrukturierung, neue Strategien – alles plötzlich dringend. Doch genau das ist der größte Fehler. Wer erst handelt, wenn es zu spät ist, verliert wertvolle Zeit und zahlt einen hohen Preis.
„Bei mir ist alles prima. Wir brauchen keine Veränderung.“
Diese Aussage ist der Anfang vom Ende. Unternehmen, die glauben, dass ihr Erfolg sie dauerhaft schützt, sitzen auf einem Pulverfass. Denn kein Markt, kein Unternehmen, keine Technologie bleibt konstant. Wer sich auf dem Status quo ausruht, hat bereits verloren. Erfolg ist keine Einladung zum Stillstand – er ist eine Aufforderung zur Weiterentwicklung.

Erfolg ist der gefährlichste Moment
Wenn es einem Unternehmen gut geht, ist das die gefährlichste Phase. Warum? Weil Erfolg oft zu Selbstzufriedenheit führt. Wer erfolgreich ist, hinterfragt sich nicht. Wer stabile Umsätze hat, sucht nicht nach neuen Märkten. Wer Marktführer ist, glaubt, unantastbar zu sein. Doch das ist eine Illusion.
- Erfolg macht träge. Niemand möchte unnötige Risiken eingehen, wenn es doch gerade gut läuft.
- Erfolg führt zu Betriebsblindheit. Man glaubt, dass das, was gestern funktioniert hat, auch morgen funktionieren wird.
- Erfolg gibt eine falsche Sicherheit. Man wiegt sich in der Vorstellung, unantastbar zu sein, bis der Markt eine brutale Lektion erteilt.
Wer jetzt nicht handelt, wird später gezwungen sein, zu reagieren – und dann ist es meist zu spät.
Die Illusion der Stabilität
Viele Manager klammern sich an die Vorstellung, dass das Geschäft stabil sei. Sie verlassen sich auf bestehende Kundenbeziehungen, bewährte Produkte und eingespielte Prozesse. Doch genau hier liegt das Problem.
- Kundenbedürfnisse ändern sich – langsam, aber stetig. Was heute noch gefragt ist, kann morgen irrelevant sein.
- Technologien entwickeln sich schneller, als Unternehmen es wahrhaben wollen. Wer den Anschluss verpasst, wird überholt.
- Mitbewerber schlafen nicht. Während man sich selbst feiert, arbeiten andere an besseren Lösungen.
Stillstand ist der schleichende Tod eines Unternehmens. Die Frage ist nicht, ob sich der Markt verändert – sondern nur, ob man darauf vorbereitet ist.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für Veränderung?
Die beste Zeit für Innovation, Prozessoptimierung und Strategieanpassung ist nicht dann, wenn das Unternehmen in Schwierigkeiten steckt. Der beste Zeitpunkt ist dann, wenn das Unternehmen erfolgreich ist. Denn dann gibt es:
- Kapazitäten: Ressourcen und Zeit, um neue Wege auszuprobieren.
- Finanzielle Spielräume: Investitionen in Innovationen, ohne unter massivem finanziellem Druck zu stehen.
- Motivierte Mitarbeiter: Wandel ist einfacher, wenn das Unternehmen stark dasteht und keine Angstkultur herrscht.
Wer erst handelt, wenn die Krise da ist, verliert wertvolle Optionen. Wer dagegen proaktiv handelt, kann die Zukunft aktiv gestalten. Es gibt keine Ausrede, nicht heute mit der Veränderung zu beginnen.
Die Rolle eines Interim Managers: Ein frischer Blick ohne Betriebsblindheit
Ein Unternehmen, das sagt: „Bei uns ist alles gut, wir brauchen (derzeit) keine Veränderung.“, ist in der größten Gefahr.
Interim Manager sind nicht nur dazu da, um Feuer zu löschen. Sie sind auch da, um sicherzustellen, dass es gar nicht erst brennt. Sie bringen eine unvoreingenommene Perspektive mit und hinterfragen das, was intern niemand mehr hinterfragt. Sie identifizieren Schwachstellen, bevor sie zu existenziellen Problemen werden.
- Neue Perspektiven einbringen: Sie analysieren das Unternehmen ohne emotionale Betriebsblindheit.
- Schwachstellen aufdecken, bevor sie zu Problemen werden: Was heute funktioniert, kann morgen veraltet sein.
- Innovationen anstoßen, bevor der Druck von außen zu groß wird.
Oft sind es kleine Stellschrauben, die den Unterschied zwischen langfristigem Erfolg und schleichendem Niedergang machen. Die Frage ist nur, ob Unternehmen bereit sind, sich diese Fragen zu stellen, bevor sie müssen.
Beispiele aus der Realität
- Nokia war einst der unangefochtene Marktführer bei Mobiltelefonen. Ihre Manager sagten: „Unsere Produkte verkaufen sich bestens, warum sollten wir etwas ändern?“ Der Rest ist Geschichte.
- Kodak erfand die Digitalkamera, setzte aber weiterhin auf analoge Fotografie, weil das Geschäft gerade gut lief. Das Unternehmen verlor den Anschluss und wurde bedeutungslos.
- BlackBerry glaubte, dass Tastentelefone unersetzlich seien. Das Unternehmen ignorierte den Wandel zum Touchscreen und verschwand von der Bildfläche.
Alle diese Unternehmen hatten eines gemeinsam: Sie glaubten, dass ihr Erfolg dauerhaft sei. Sie handelten nicht, als sie noch Zeit hatten. Und sie zahlten den Preis dafür.
Die gefährliche „Wir brauchen das nicht“-Mentalität
Wer heute sagt: „Bei uns ist alles in Ordnung, wir brauchen keine Veränderung.“, sollte sich fragen:
- Sind unsere Prozesse wirklich zukunftsfähig oder nur bequem?
- Wie innovativ sind wir tatsächlich – oder verlassen wir uns auf vergangene Erfolge?
- Was passiert, wenn sich der Markt schneller verändert, als wir reagieren können?
Kein Unternehmen kann es sich leisten, nicht an morgen zu denken.
Fazit: Handeln, bevor es zu spät ist
Es gibt zwei Arten von Unternehmen:
- Diejenigen, die ihre Zukunft aktiv gestalten.
- Diejenigen, die abwarten, bis sie keine Wahl mehr haben.
Ein Unternehmen, das heute sagt: „Wir brauchen keinen Interim Manager, keine neue Strategie, keine Innovationen“, muss sich eine einzige Frage stellen: Wo werden wir in fünf Jahren stehen, wenn wir nichts verändern?
Der beste Moment für Veränderung ist nicht die Krise – es ist der Erfolg. Wer erst handelt, wenn der Druck zu groß ist, hat bereits verloren.
Also: Wann wollen Sie das Dach reparieren? Wenn die Sonne scheint – oder wenn der Sturm bereits da ist?
Mutig denken – Wandel wagen
Alexander d’Huc