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Inside Interim Management: Warum Unternehmen Interim Manager falsch auswählen – und sich damit selbst schaden

Meine Meinung – kein Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit

Interim Manager werden von Unternehmen meist für komplexe Probleme engagiert. Es geht um strategische Herausforderungen, tiefgehende strukturelle Defizite oder notwendige Transformationen. Doch immer wieder zeigt sich, dass Kunden Interim Manager nach den falschen Kriterien auswählen. Sie setzen auf Zertifikate und Fachausbildungen, anstatt auf erprobte Krisenmanager mit einem breiten Werkzeugkasten an Softskills und Hardskills.

Die Folge: Es werden zwar Mikroprobleme gelöst, doch die eigentlichen Makroprobleme bleiben unangetastet – oder werden gar nicht erst erkannt.

Illustration: Düstere Stimmung, viele Männer in Anzügen um einen Tisch sitzend und der Interim Manager vor einer in Flammen stehenden Tür stehend mit zwei Tafels, eine links mit den Worten Real Shange und eine rechts mit den Worten Real Change.

Unternehmen suchen Interim Manager – und bekommen Problembewahrer

Der Kardinalfehler liegt in der Perspektive. Kunden glauben, sie müssten einen Experten für das akute Problem engagieren. Doch in Wirklichkeit brauchen sie einen Experten für das gesamte System. Wer kurzfristige Lösungen sucht, bekommt kurzfristige Effekte – aber garantiert keine nachhaltigen Veränderungen. Viele Unternehmen tappen in diese Falle, weil sie Angst vor dem haben, was ein wirklich fähiger Interim Manager aufdecken könnte.

Die Wahrheit ist unbequem: Das Problem liegt selten in fehlendem Fachwissen. Es liegt in einer veralteten, ineffektiven Führungskultur. In schlecht genutzten Ressourcen. In firmeninternen Seilschaften und Angst vor Veränderung. Doch ein Manager mit Softskills, Durchsetzungsstärke und strategischem Weitblick wird diese Dinge offenlegen. Und genau das wollen viele Unternehmen nicht. Sie engagieren lieber einen, der am Symptom herumdoktert, statt die Wurzeln der Krise freizulegen.

Der falsche Fokus bei der Auswahl

Die meisten Unternehmen haben in ihren eigenen Reihen hochqualifizierte Spezialisten für Detailfragen. Technische Experten, Marktanalysten, IT-Spezialisten oder Finanzprofis sind oft schon vorhanden. Das eigentliche Problem ist jedoch nicht das fehlende Fachwissen, sondern die Art und Weise, wie diese Experten eingesetzt werden – oder schlimmer noch, wie sie geführt werden. Falsche Strukturen, mangelnde Kommunikation oder interne Spannungen verhindern, dass vorhandenes Wissen effektiv genutzt wird.

Trotzdem entscheiden sich Unternehmen immer wieder für Interim Manager mit beeindruckenden Fachzertifikaten und akademischen Abschlüssen, anstatt für Krisenprofis mit einem ausgeprägten Gespür für Dynamiken, Widerstände und unternehmenskulturelle Herausforderungen.

Warum der sichere Weg oft der falsche ist

Diese Entscheidung hat weniger mit Logik als mit Angst zu tun. Unternehmen wissen, dass sie ein Problem haben – aber sie fürchten, dass ein wirklich erfahrener Interim Manager noch weitere, tiefere Probleme ans Licht bringen könnte. Die Wahl eines Interim Managers mit rein technischer Qualifikation ist eine Schutzstrategie: Der Kunde kann behaupten, er habe die bestmögliche Lösung eingekauft, wenn auch nur für das sichtbare Problem. Sollte sich die Situation nicht verbessern oder sogar verschlimmern, liegt es angeblich an der Komplexität des Themas, nicht an der falschen Wahl des auswählenden Managers.

Ein erfahrener, breiter aufgestellter Interim Manager würde jedoch nicht nur das vordergründige Problem analysieren, sondern die gesamte Systematik dahinter infrage stellen. Er würde Schwächen in der Unternehmensstruktur, im Führungsverhalten und in der Strategie aufdecken. Und genau das macht vielen Auftraggebern Angst.

Die bittere Wahrheit: Viele Unternehmen haben Angst vor echten Lösungen

Ein wirklich guter Interim Manager bringt nicht nur fachliches Wissen mit, sondern vor allem:

  • Strategisches Denken: Er erkennt nicht nur Einzelprobleme, sondern analysiert sie im Gesamtkontext des Unternehmens.
  • Führungsstärke: Er versteht es, bestehende Teams zu motivieren, zu führen und optimal einzusetzen.
  • Kommunikative Kompetenz: Er kann über Hierarchien hinweg Vertrauen schaffen und Konflikte lösen.
  • Erfahrung mit Widerständen: Er hat bereits gelernt, mit Skepsis, Blockaden und firmeninternen Seilschaften umzugehen und diese gezielt zu steuern.

Doch genau das ist es, was viele Unternehmen fürchten. Sie wollen keine Unruhe, keine unbequemen Wahrheiten, keine tiefgehenden Umstrukturierungen. Sie wollen eine schnelle Lösung, die keine weiteren Fragen aufwirft. Deshalb landen immer wieder die falschen Manager auf Interim Positionen: Fachlich versiert, aber ohne den Mut oder die Durchsetzungskraft, um echte Transformation anzustoßen.

Auftragsklärung: Die oft unterschätzte Schlüsselkomponente

Ein weiteres zentrales Problem ist die mangelnde Auftragsklärung. Viele Unternehmen erwarten vom Interim Manager eine Wunderlösung, ohne vorher klar zu definieren, was genau erreicht werden soll. Hier sehe ich, neben anderer Unterstützung, auch eine entscheidende Rolle für Provider, sie fungieren als neutrale Berater und helfen beiden Seiten, dem Kunden wie dem Interim Manager, den richtigen Blickwinkel zu haben.

  • Was ist das exakte Problem, das gelöst werden soll?
  • In welchem Zeitraum muss eine Lösung erfolgen?
  • Welches Budget steht zur Verfügung?
  • Welche Maßnahmen und Eingriffe darf der Interim Manager tatsächlich vornehmen?

Gleichzeitig muss der Interim Manager am Ende bestätigen, dass er den Auftrag vollständig verstanden hat, dass er sich für kompetent hält, diesen zu lösen, und dass er den Willen des Kunden erkennt, notwendige Maßnahmen auch umzusetzen. Und hier liegt meist die größte Diskrepanz: Viele Unternehmen engagieren Interim Manager, erwarten jedoch keine tiefgreifenden Maßnahmen.

Mein Fazit: Unternehmen sabotieren sich selbst

Unternehmen brauchen Interim Manager, die nicht nur oberflächliche Symptome beheben, sondern die eigentlichen Ursachen angehen. Doch genau das ist oft unerwünscht. Viele Entscheider ziehen es vor, ein bekanntes und bequemes Mikroproblem zu lösen, anstatt sich mit der ungemütlichen Realität tieferliegender Missstände auseinanderzusetzen.

Die Auswahl eines Interim Managers darf daher nicht nach den falschen Kriterien getroffen werden. Unternehmen, die wirklich etwas verändern wollen, müssen den Mut haben, sich für Manager zu entscheiden, die nicht nur Antworten liefern, sondern auch die unbequemen Fragen stellen und auf einer klaren Auftragsklärung bestehen. Dabei kann die Unterstützung eines erfahrenen Providers den entscheidenden Mehrwert liefern.

Mutig denken – Wandel wagen
Alexander d’Huc