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Inside Interim Management: sind Interim Manager immer alte weiße Männer – und ist das schlecht?

– Meine Meinung – kein Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit –

Es gibt ein hartnäckiges Vorurteil: Interim Manager sind alte weiße Männer. Sie sind angeblich überholte Relikte einer vergangenen Ära, Männer mit grauen Haaren und alten Denkmustern, die sich in der Wirtschaft festgesetzt haben und in Unternehmen schlussendlich gescheitert sind. Sie sind das Symbol für patriarchale Machtstrukturen, für konservatives Denken, für einen Führungsstil, der nicht mehr zeitgemäß ist.

Aber stimmt das wirklich? Und selbst wenn – ist das ein Problem?

Illustration, alter weißer Mann als Interim Manager, zu alt? Junge Personen stehen  hinter dem Mann und schauen ihn an.

Erfahrung schlägt Klischees

Ich bin 58 Jahre alt. Ich bin weiß. Und ich bin seit Jahrzehnten als Führungskraft und Interim Manager in internationalen Unternehmen tätig. Ich habe nicht nur Firmen geleitet, sondern auch in unterschiedlichsten Ländern gelebt: Indien, China, Russland, Schweden, Ungarn, Tschechien, und mehr. Ich habe mit Menschen verschiedenster Herkunft, Kulturen und Perspektiven zusammengearbeitet. Ich habe junge Talente jeder Hautfarbe, jeder Bildungsstufe und jeder beruflichen Erfahrung gefördert und entwickelt.

Und doch würde ich nach der gängigen Definition als „alter weißer Mann“ abgestempelt werden. Warum? Weil viele glauben, dass Alter und Hautfarbe automatisch eine bestimmte Denkweise mit sich bringen. Das ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Denn genau diese Pauschalisierung führt dazu, dass Unternehmen wertvolle Erfahrung und Kompetenz ignorieren – aus Angst, „altmodisch“ zu wirken.

Warum gibt es so viele ältere Interim Manager?

Der Grund, warum viele Interim Manager älter sind, ist simpel: Es ist ein Job für Menschen mit Erfahrung. Unternehmen holen sich keine Berufsanfänger, wenn sie ein akutes Problem lösen müssen. Sie suchen nach jemandem, der das schon einmal gemacht hat – und zwar erfolgreich.

Ein Interim Manager wird geholt, wenn:

  • eine Firma in der Krise steckt.
  • schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen.
  • es um Restrukturierung, Transformation oder harte Einschnitte geht.
  • die Organisation einen echten Leader braucht – sofort und ohne lange Einarbeitung.

Wer diese Situationen souverän meistern soll, braucht jahrzehntelange Erfahrung. Diese Erfahrung hat man eben oft erst mit 50+ – und deshalb gibt es viele ältere Interim Manager, übrigens Frauen und Männer.

Ist das schlecht? Nein – wenn die Haltung stimmt.
Alter an sich ist kein Problem. Es kommt darauf an, ob jemand bereit ist, sich weiterzuentwickeln, offen zu bleiben, neue Perspektiven anzunehmen.

Ein schlechter Interim Manager ist jemand, der:

  • in alten Mustern denkt und alles „so macht, wie er es immer gemacht hat“.
  • junge Talente ignoriert oder unterschätzt.
  • Veränderung als Bedrohung sieht und nicht als Chance.
  • kein Interesse daran hat, sich mit neuen Märkten, Kulturen und Technologien auseinanderzusetzen.

Ein guter Interim Manager – egal welchen Alters und Geschlecht – ist jemand, der:

  • seine Erfahrung als Werkzeug nutzt, nicht als Ausrede.
  • offen ist für neue Ideen, junge Talente einbindet und fördert.
  • die Fähigkeit hat, über Branchen, Länder und Kulturen hinweg zu denken.
  • die Weisheit besitzt, zu wissen, dass er nicht alles weiß.

Meine Realität als „alter weißer Mann“

Ich habe meine Karriere nicht damit verbracht, auf meine eigenen Erfolge zu schauen. Ich habe junge Talente gefördert, weil ich weiß, dass die Zukunft von ihnen abhängt. Ich habe mit Menschen aus den verschiedensten Kulturen gearbeitet, weil ich glaube, dass Vielfalt eine Stärke ist. Ich habe neue Märkte erschlossen, neue Geschäftsmodelle entwickelt, Unternehmen aus Krisen geführt – nicht, weil ich in alten Mustern feststecke, sondern weil ich gelernt habe, mich immer wieder neu anzupassen.

Und genau das ist der Punkt: Erfahrung ist kein Nachteil, wenn sie mit Neugier kombiniert wird.

Vielfalt und Erfahrung sind kein Widerspruch

Oft wird suggeriert, dass Vielfalt und Erfahrung sich gegenseitig ausschließen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Erfahrung ist notwendig, um Diversität und Inklusion richtig zu managen. Es reicht nicht, nur auf Quoten oder Symbolik zu setzen – es braucht Menschen, die verstehen, wie Organisationen funktionieren und Veränderung umsetzen können. Hier liegt die wahre Stärke erfahrener Interim Manager.

Ein Unternehmen, das Diversität vorantreiben will, braucht nicht nur junge, dynamische Kräfte, sondern auch erfahrene Führungspersönlichkeiten, die den Prozess moderieren, Barrieren abbauen und echte Integration ermöglichen. Das gelingt nicht mit blindem Aktionismus, sondern mit strategischem Denken.

Die Gefahr des Altersbias

Viele Unternehmen schreien nach Diversität und werfen gleichzeitig wertvolle Erfahrung über Bord. „Wir brauchen junge, frische Ideen!“. Das klingt gut – doch was passiert, wenn niemand mehr da ist, der aus Erfahrung weiß, welche Risiken es gibt? Wenn niemand da ist, der eine Krise schon einmal durchlebt hat und weiß, wie man sie managt? Jugend ist kein Ersatz für Erfahrung, genauso wenig wie Erfahrung ein Ersatz für Innovation ist. Beides muss zusammenkommen.

Fazit: Das eigentliche Problem ist nicht das Alter – sondern die Einstellung

Ja, viele Interim Manager sind ältere weiße Männer. Aber wer glaubt, dass das automatisch schlecht ist, sitzt einem gewaltigen Trugschluss auf. Die Frage ist nicht, ob ein Interim Manager alt und weiß ist – sondern ob er fähig ist, Unternehmen in die Zukunft zu führen.

Die besten Interim Manager vereinen Erfahrung mit Offenheit. Sie sind Brückenbauer zwischen der Vergangenheit und der Zukunft. Sie wissen, wann sie auf Bewährtes setzen – und wann es Zeit ist, alte Denkmuster über Bord zu werfen.

Ein Unternehmen, das nur auf Jugend und Diversität setzt, aber Erfahrung ignoriert, begeht den gleichen Fehler wie ein Unternehmen, das nur auf Erfahrung setzt und Jugend ignoriert.

Das wahre Erfolgsrezept? Beides kombinieren. Und genau das macht einen exzellenten Interim Manager aus.

Führung ist keine Frage des Alters oder der Hautfarbe – sondern eine Frage der Kompetenz, der Einstellung und der Fähigkeit, die Zukunft zu gestalten.

Mutig denken – Wandel wagen
Alexander d’Huc